Cottbus - Mit großem Zuspruch, intensiven Diskussionen und rund 200 Besucherinnen und Besuchern geht heute das Spree Festival im Strombad Cottbus zu Ende. Vier Tage lang stand die Wasserkrise in Berlin und Brandenburg im Mittelpunkt – und damit die Frage, wie Wasser in einer trockener werdenden Region gerecht verteilt, geschützt und langfristig gesichert werden kann.
„Die Region trocknet aus, während industrielle Großverbraucher Wasser nutzen, Gewinne erzielen und die langfristigen Folgen weitgehend der Allgemeinheit überlassen. Dass darüber beim Festival so offen, kritisch und konstruktiv diskutiert wurde, ist ein wichtiges Signal für die Brandenburger Landesregierung“, sagt Sprecherin Rebekka Schwarzbach. Das Brandenburger Wassergesetz wird derzeit im Brandenburger Umweltministerium novelliert. Hierin sehen die Veranstaltenden eine Chance für sozial-gerechte Wasserentgelte und somit einer gerechten Verteilung von Wasser.
Die Wasserkrise in Brandenburg verschärft sich seit Jahren, auch wegen zunehmend steigenden Temperaturen durch die Klimakrise. Sinkende Grundwasserstände, schrumpfende Seen und Flüsse mit immer geringerer Wasserführung zeigen, dass Wasser auch in der Lausitz zunehmend zur umkämpften Lebensgrundlage wird. Für die Veranstaltenden liegen die Ursachen der Krise nicht allein in der Klimakrise. Auch die industrielle Nutzung von Wasser müsse stärker politisch reguliert werden. Entsprechend kritisch wurde beim Festival unter anderem über Konzerne wie LEAG, Tesla und Red Bull diskutiert, deren Geschäftsmodelle mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden sind. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie Wassernutzungsentgelte in Brandenburg künftig sozial gerecht und stärker am Verursacherprinzip ausgerichtet werden können.
„Wir brauchen eine Wasserpolitik, die den Verbrauch begrenzt und natürliche Wasserspeicher stärkt – etwa durch die Wiedervernässung von Mooren und die Renaturierung von Auen“, so Schwarzbach. Nachhaltige Lösungen ohne kostenspielige Tech-Fixes liegen laut Veranstaltenden auf dem Tisch und müssten nur von der Brandenburger Umweltministerin Hanka Mittelstädt umgesetzt werden. Die Veranstaltenden betonen, dass das Festival nicht nur auf die Probleme aufmerksam gemacht, sondern auch konkrete Perspektiven für eine gerechtere Wasserpolitik aufgezeigt habe.
Am Festivalprogramm beteiligten sich lokale Initiativen ebenso wie Umweltverbände, darunter NABU, BUND und Grüne Liga. Auch Bündnisse wie die Initiative für die Rechte der Spree und „Tesla den Hahn abdrehen“ brachten sich mit Diskussionen und Workshops ein. Neben den Bildungsveranstaltungen und politischen Debatten sorgte sorbische Musik und Kunststücke von Maja Nagel sowie der gemeinschaftliche Floßbau und Kajak-Touren für eine lebendige Atmosphäre. Exkursionen zum Cottbusser Ostsee, dem Tagebaurestsee verdeutlichten, dass trotz herrschender Dürre Stützwasser aus der Spree weiter eingeleitet wird.
„Die Spree ist keine Ware, sondern Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Ökosysteme. Das Spree Festival zeigt, dass Menschen bereit sind, sich für eine gerechte Wasserverteilung einzusetzen“, sagt Schwarzbach. Das Spree Festival zieht eine positive Bilanz: Die Wasserbewegung ist wieder gewachsen. Das Spree Festival wird 2027 wieder stattfinden. Weitere Flusscamps sind an Weser, Elbe-Saale und am Rhein geplant.